Otakumags

Welcher begeisterter Fan von asiatischen Comicprodukten surft nicht auf Online-Lese-Portalen, um das nächste Kapitel seiner Lieblingsmangas zu lesen? Die liebsten Comics werden dann in Listen bei „myanimelist“ oder „mangaupdates“ zur Schau gestellt, bewertet, diskutiert und auch rezensiert. Die Kultur rund um Manga und Anime ist sehr internet-fixiert. Das ermöglicht erst die große Verbreitung und führt damit zum verstärkten Comicfanatismus. Ohne Subgruppen oder Scanlations, würde vielen soviel Kultur entgehen, und außerdem ermöglichen sie Produktionen, die vielleicht auf dem westlichen Markt nicht sofort Fuß gefasst hätten, eine Fanbasis aufzubauen, die bei den offiziellen Veröffentlichungen in die Läden stürmt.


Das Papier und auch die DVD/Blu-ray hat trotz – oder gerade wegen – des Internets eine ungeheure Anziehungskraft für Fans von Comics und Anime. Es ist ein im Westen mehr als im Osten ausgeprägter Sammelfetisch, der das Geschäftsmodell Anime und Manga im Westen am Leben erhält, wenn gleich nicht in dem Maße, wie es sich die Lizenznehmer wünschen. Was der deutschen Mangakultur jedoch fehlt ist ein Medium, das sich mit ihrem Lieblingsthema und ihrer Lebensweise auseinandersetzt.

In Deutschland gibt es nicht viele Personen, die sich wirklich stärker mit diesen Themen beschäftigen. Es herrscht ein Zustand, der Eigenbrötler. Zumindest gibt es keine Institution, die von einer größeren Mehrheit akzeptiert und ernst genommen wird. Es gibt RTL, Animexx e.V., Anisearch, Fan-sub.de, Fan-sub.org, FUNIMATION u.a. die sich eher gegenseitig belächeln, unterschiedliche Interessen verfolgen und am Ende nicht ernsthaft und gut miteinander kommunizieren bzw. dann zusammen arbeiten wollen. In den Feuilletons der Zeitungen wird der Comic noch belächelt und der Manga gilt weiterhin als obszön und brutal. Daran wird sich leider in den nächsten Jahren auch nicht viel ändern. Doch gibt es Ausnahmen wie den FAZ Feuilleton-Mitarbeiter Andreas Platthaus. Natürlich gibt es unheimlich viele Blogs und Webseiten die sich mit Anime und Manga in Deutschland auseinandersetzen. Das ganze ist jedoch sehr lose, und war bisher nicht wirklich zwingend und fundiert, als das es wirklich zu einem Medium geworden wäre, das einen versteht und vorallem repräsentiert.

In Amerika und in England scheint die Situation weitaus besser. Dort gibt großartige Comicmagazine, Webseiten und auch Persönlichkeiten, die sich dem Thema, sehr professionell und hingebend widmen. Aber auch in Europa gibt es ein Magazin, dass sich der westlichen Otakukultur angenommen hat: Otakumag.
Otakumag erscheint unregelmäßig, ist auf Englisch und kommt überraschenderweise aus Rumänien, dem aktuell letzten Beitrittsland der EU.

Jedes Heft steht im Zeichen eines bestimmten Themas, dem sich der Inhalt unterordnet. Im aktuellen Heft „End of the World“ finden sich passend Artikel zu Gundam, Neon Genesis Evangelion, Godzilla und eine Überlebensanleitung. Die Hefte sind ein bisschen größer als Manga, auf Hochglanzpapier gedruckt und von sehr guter Qualität. Es finden sich Reviews von Veranstaltungen, Profile von Künstlern, die themenbezogenen Artikel, Interviews, Photos, Illustrationen, Cosplay, Empfehlungen für Anime/Manga/Filme/Spiele und Comics/Manga .
Das Herzstück jedes Heftes sind die themenbezogenen Artikel. Hier wird die Liebe zu den passenden Anime/Manga vertieft, analysiert und auch kritisch betrachtet. Dann sind da noch die tollen Illustrationen, die das Heft ungemein aufwerten, mit Internetlinks zu den Künstlern, ob sie nun aus Japan oder anderswo herkommen. Das abschließende Highlight, sind die Comic One-shots von relativ unbekannten Künstlern. Das Niveau schwankt hierbei immer, aber es gibt solche wie z.B. „I am not Legend“ die mich total begeistert haben. Viele dieser Comics sind entweder stilistisch, in ihrer Erzählstruktur oder dem Panelaufbau an den Manga angelehnt. Es gibt jedoch auch sehr „westliche“ Comics, Avantgardistische Comics oder solche die nach Klograffittis aussehen.
Das ganze Heft ist ein Sammelsurium an Popkultur, das versucht alle möglichen Bereiche abzudecken, die Otakus interessieren könnte. Das macht es dem Magazin jedoch auch teilweise schwer, wünscht man sich doch manchmal längere Artikel und noch mehr Information. Ab und zu ein Rant auf ein bestimmtes Thema täte dem Magazin nicht unbedingt schlecht. Weiterhin sind die abgedruckten Künstler oftmals rumänisch (was nicht abwertend gemeint sein sollte, da die rumänische Kunstszene eindeutig interessantere Auswüchse hervorbringt als die deutsche), aber das liegt auch daran, dass das Heft von seinen Einsendungen lebt und eben auch aus Rumänien stammt.

Habt ihr also Empfehlungen, oder sonstiges, schaut doch auf der Website von Otakumag www.otakumag.com vorbei, bestellt euch die Hefte, und schaut was ihr dazu beitragen könnt. Vielleicht sind eure Bilder, Comics oder Empfehlungen etc. in der nächsten Ausgabe enthalten. Ich bin jedenfalls ungemein froh, dass es ein Magazin gibt das sich auf eine sehr erwachsene Weise mit dem Fandasein auseinandersetzt. 

Verfasst von: exe

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